Tagungen

Bericht über die Fachtagung der „Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative“ (DAJ) vom 16.-17.11.2015, Berlin (Neue Mälzerei)

Die Geschwister-Vereine Educational Network Cameroon (EduNec-Yaoundé) und NetzWIRkung e.V. (Hamburg) nahmen an der 1. Fachtagung der Deutsch-Afrikanischen Jugendaustauschinitiative vom 16.-17.11.2015 in Berlin teil. Ziel dieser Fachtagung war es zum einen, den Stand der Grundsatzentwicklung der DAJ-Initiative vorzustellen und darauf aufbauend, einen fachlichen Austausch zwischen den teilnehmenden Akteuren anzuregen.

Die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ) ist eine sich im Aufbau befindende  Instanz der Engagement Global, die in erster Linie für die Qualitätssicherung bereits bestehender Jugendaustauschprogramme zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern sorgen soll. Neben der Qualitätsentwicklung ist die Erhöhung der afrikanisch-deutschen Austauschprogramme angestrebt.

Was ist Engament Global?

Die Engagement gGmbH ist ein Service für Entwicklungsinitiative der Bundesrepublik Deutschland, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)entwicklungspolitische Bildungsarbeit  in den Bereichen Globales Lernen(GL) und Bildung für nachhaltige Entwicklung(BnE) initiiert und fördert. Die Engagement Global fungiert somit als Auftraggeberin für viele entwicklungspolitische Bildungsprogramme von Deutschland in die Welt und von der Welt nach Deutschland und will viele Zielgruppen erreichen: Schüler & Schulklassen, Schulabsolventen, Studierende & Berufstätige, Lehrer & Bildungsbeauftragte, Berufserfahrene & Senioren, Rückkehrende, Länder & Kommunen Rückkehrende, Vereine & Organisationen, Unternehmen & Verbände sowie Stiftungen.

Zu diesen Programmen zählen u. a. ASA, ENSA, Weltwärts, und neuerdings die DAJ.

Durch Informationsveranstaltungen, Beratungen, finanzielle Förderungen, Weiterbildungen und Netzwerke engagiert sich die DAJ vor allem für die Koordinationsarbeit aller Austauschprogramme und -projekte (zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern) zwecks einer qualitativen (z.B. Erleichterung der Visahürden, Qualifizierung von Akteuren, Förderung außenschulischer Austauschprojekte) und quantitativen (Erweiterung der Programme und deren Zielgruppen) Veränderung der Angebote.

Zurück auf die Fachtagung: Teilnehmende und Aktivitäten WP_20151117_12_27_35_Pro

Die Themenschwerpunkte „differenziertes Afrika-Deutschland-Bild“ und „Partnerschaftlichkeit in Jugendaustauschbeziehungen“ standen im Zentrum der DAJ-Fachtagung. Ein reger Austausch mit den Bildungsakteuren fand statt, darunter vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Afrika (Kenia, Kamerun, Südafrika, Guinea, Senegal, Tansania, Demokratischen Republik Kongo) aber auch aus europäischen Ländern (Deutschland und Frankreich). Dieses internationale und multilaterale Vorhaben steht auf der politischen Seite nun unter der Schirmherrschaft der Afrikanischen Union (AU) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), was aus dem ersten Eindruck keine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ verspricht. Die AU wurde von Dr. Beatrice Njenga (Leiterin der Abteilung Personal, Wissenschaft und Technologie in der Kommission der Afrikanischen Union)vertreten. Auf deutscher Seite waren u. a. Herr Johannes Lauber (BMZ / Referat 112 Bürgerschaftliches Engagement, weltwärts, Engagement Global) und Frau Anita Reddy (Engagement Global / Bereichsleiterin Kommunale Entwicklungspolitik und Bildungsprogramme).

Im Frühjahr 2016 sollen weitere Dialog- und Informationsveranstaltungen zur Gründung der DAJ in einigen afrikanischen Ländern stattfinden, wobei der Name der Initiative fragwürdig rezipiert worden ist.

Die Arbeitsmethoden

Neben einer Podiumsdiskussion zur „Bedeutung von Partnerschaftlichkeit und einem differenzierten Afrika-Deutschland-Bild im Jugendaustausch“ erfolgten im Vorfeld Austausche in Kleingruppen zu demselben Thema, währenddessen Politik und Zivilgesellschaft ins Gespräch kamen. Dabei handelte es sich um die Auseinandersetzung mit den Themenblöcken „Partnerschaftlich auf Augenhöhe? Eine Begriffsannäherung“, „Das Prinzip von Partnerschaftlichkeit – Chancen, Herausforderungen und Grenzen“, „Differenzierte Afrikabilder in der Partnerschaftlichkeit/ in der DAJ“, „Die Praxis: Empfehlungen für ein partnerschaftliches Miteinander“, „Warum ist ein differenziertes Bild für die Qualität im Jugendaustausch nötig?“, „Die Praxis: Empfehlungen für eine partnerschaftliche Organisation“, sowie „Welche Bedingungen und Herausforderungen bestehen für die Teilnehmer_innen und unterstützende Institutionen?“

Durch künstlerische Performance wurde die Initiative eines deutsch-afrikanischen Jugendaustausches sowohl gelobt (musikalischer Auftritt von Ezekiel Nikiema, Gewinner des Afrika Sonderpreises beim Musikwettbewerb „Dein Song für Eine Welt“ von Engagement Global), aber auch ironisch durch den Slamer Philipp Khabo Köpsell „Dekolonialisierung und Afrikabild in den Köpfendargestellt.

Die Fachtagung bot darüber hinaus einen wissenschaftlichen Reflexionsraum über „Afrikabilder und Partnerschaftlichkeit“ an, einen Vortrag, der vom Herrn Dr. Philippe Kersting von der Universität Frankfurt gehalten wurde.

Die praktische Seite des Gedankenaustausches erfolgte durch die Vorstellung eines konkreten Austauschprogramms vom Verein Mutoto e.V. (Münster Westfalen). Mutoto („Kinder“) fungiert als Entsendeorganisation bei weltwärts und engagiert sich seit fünfzehn Jahren in der Demokratischen Republik Kongo und in Deutschland im Bereich Sport, Medienprojekt, Schulklassen- und Internat-Bau etc…

…Und die Meinungen der NGO-Vertreter_innen aus dem Süden?

Auf Wunsch der Gäste aus afrikanischen Ländern wurde ein Rückzugsraum eröffnet, damit die Begleitumstände des Vorhabens für sie sichtbar gemacht werden konnten. In dieser Auszeitrunde wurde deutlich, dass angereiste Jugendliche und NGO-Vertreter_innen aus dem afrikanischen Kontinent sich mehr Zeit zum Beobachten, zum Bewerten und zum Verstehen der Initiative wünschten. Ihre Vorlagen lassen sich wie folgt, zusammenfassen:

  1. Für eine Jugendinitiative für Afrika sollen Jugendliche von Beginn an eingebunden werden;
  2. Welche Rolle spielt die AU und wie groß ist ihr Einfluss auf Länderebene?
  3. Wo stehen die Regierungen auf Länderebene im Hinblick auf die Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Organisationen?
  4. Rollenklärung: Was ist der Gewinn für bzw. welche Aufgaben obliegen den NGOs und Vereinen?

Außerdem machte die AU-Vertreterin den Vorschlag „Afrikanisch-deutsche Jugendinitiative“ als mögliche Benennung der Jugendinitiative.

Alles in allem war diese Fachtagung für die versammelten Gäste und vor allem für unsere beiden Vereine ein Riesenerfolg in Richtung Vernetzung und Professionalisierung für eine perspektivisch orientierte Partnerschaftlichkeit. Im Rahmen des „Markt der Möglichkeiten“ und der „DAJ-Lounge“ konnten unsere beiden Partnervereine EduneC und NetzWIRkung e.V. einer breiten differenzierten Öffentlichkeit vorgestellt und neue Kontakte geknüpft werden. Weitere teilnehmende Vereine können der beigefügten Gästeliste entnommen werden.

Wir freuen uns auf eine Teilnahme unserer beiden Vereine an diesen Veranstaltungen.

Ihr Team